
Am 4. und 5. Mai 2026 nahm die Landeskoordination am ersten Deutschen Kita-Symposium in Berlin teil. Unter dem Leitgedanken „Gerechte Zugänge zur frühen Bildung, Betreuung und Erziehung“ brachte die Veranstaltung rund 300 Teilnehmende aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Praxis zusammen. Ausgerichtet wurde das Symposium von einem Kooperationsverbund aus dem Paritätischen Gesamtverband, ver.di, der Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung in der Kindheit (BAG-BEK) und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), gefördert von der Auridis Stiftung. Im Mittelpunkt stand eine zentrale Frage: Wie lassen sich Zugänge ins System der Kindertagesbetreuung gerechter gestalten und bestehende Benachteiligungen wirksam abbauen?
Den wissenschaftlichen Auftakt des ersten Tages gab Prof. Dr. Katharina Spieß (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung), die einen deutlichen „Kita-Gap“ aufzeigte: Der ungedeckte Platzbedarf ist bei armutsgefährdeten Familien und Familien mit Migrationsgeschichte überproportional hoch. Als Gegenmaßnahmen nannte sie unter anderem wohnortnahe Angebote, bedarfsgerechte Öffnungszeiten, mehrsprachige Information und aktive Unterstützung bei der Anmeldung sowie eine bessere Kita-Qualität.
In insgesamt acht Arbeitsforen konnten die Teilnehmenden anschließend einzelne Aspekte gerechter Zugänge vertiefen. Wir nahmen am Arbeitsforum 4 „Antidiskriminierung“ teil, das der Frage nachging, wie sich diskriminierende und rassistische Zugangshürden erkennen und beseitigen lassen. Deutlich wurde, dass es für Familien mit Migrationsgeschichte nach wie vor strukturelle Hürden beim Zugang zur Kita gibt – und dass Diskriminierung auch im Kita-Alltag vorkommt, oft ohne bewusste Absicht. Als wichtige Ansatzpunkte wurden die Stärkung der Vielfaltskompetenz in den Teams und die Sensibilisierung und Reflexion von Kita-Leitungen benannt. Ebenso zur Sprache kam, wie Eltern mit Migrationsgeschichte das System erleben: Häufig fehlt es an verständlichen, mehrsprachigen Informationen, zudem kann eine sprachlich einseitige, defizitorientierte Ausrichtung zu Rückzug und dem Gefühl fehlender Zugehörigkeit führen.
Den zweiten Tag eröffnete Prof. Dr. Sebastian Kurtenbach (FH Münster) mit einem Vortrag über die strukturell schwache Position von Kindern in einer alternden Gesellschaft. Sein Plädoyer: Kinder brauchen mehr Beteiligung und müssen konsequent in den Mittelpunkt gestellt werden, da sie die Zukunft der Gesellschaft und diejenigen sind, die mit den langfristigen Folgen gesellschaftlicher Entwicklungen und politischer Entscheidungen leben und umgehen müssen.
Neben den genannten Impulsvorträgen und Foren fanden an beiden Tagen außerdem mehrere Podiumsrunden statt, in denen Vertreter:innen aus Bund, Ländern und Kommunen sowie aus Wissenschaft und Verbänden zusammenkamen und Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten diskutierten.
Das 1. Deutsche Kita-Symposium hat deutlich gemacht, wie eng gerechte Zugänge, Chancengerechtigkeit und die Qualität frühkindlicher Bildung zusammenhängen. Genau hier setzt auch das Landesprogramm für die gute gesunde Kita an: Wir verstehen Gesundheit ganzheitlich – mit dem Wohlbefinden der Kinder und Fachkräfte als Grundlage für gelingende Bildung. Ob Chancengerechtigkeit und Armutssensibilität, ein wertschätzender Umgang mit Vielfalt oder die Stärkung von Teams und Leitungen: Viele der auf dem Symposium diskutierten Ansätze verbinden sich unmittelbar mit den Zielen des LggK. Wir nehmen aus diesen beiden Tagen wertvolle Impulse mit – und den bestärkenden Antrieb, Kitas weiterhin dabei zu begleiten, eine gesunde und chancengerechtere Lebenswelt für alle Kinder zu schaffen.